Mit dem ATH in den Süden Deutschlands

Anlass die Fahrt war ein Gutschein für das Gasometer in Duisburg, den Hermann von seinen Kollegen geschenkt bekommen hatte. Daraus entspann sich die Idee mal eine Woche, grob gesagt, im „Ruhrpott“ zum Tauchen zu verbringen. Auf die Ankündigung von Cathie im ATH fanden sich schließlich fünf “Planschies“ aus der Trainingsgruppe am Freitag zu dem Trip zusammen. Um „Planschies“ zu definieren, passt wohl die Beschreibung Spaß am Tauchen zu haben und den Anspruch mehr auf sicher und relaxt zu legen. Allerdings sollte sich erst mal die Logistik als Problem erweisen, denn für jeden See benötigt man in Nordrhein- Westfalen ein Ticket und die Basen sind nur am Wochenende besezt, was das Flaschenfüllen erschwerte.  Also ging es mit 10 Flaschen im Gepäck Richtung Süden.

Als Basis diente ein Apartment in Mettmann, von wo aus wir täglich starteten. Erste Station war die Bevertalsperre. Ein knurriger Tauchlehrer erklärte uns dort die Eigenheiten des Stausees mit stark veränderlichen Wasserständen, doch leider konnten wir von den angekündigten großen Karpfen nichts entdecken. Das Wasser war kalt und trüb wie unsere Heimat Oortkarten-See. Wir haben uns über jeden kleinen Flussbarsch oder Plastikfiguren gefreut.

Als nächstes ging es zum Dive4Life Center in Siegburg, ein Kontrastprogramm mit klarem, warmem Wasser von 25 Grad. Der Tauchturm besteht aus zwei Teilen. Einem größeren oberen Ring der bis ca. 8 m Tiefe reicht und von Arkaden an der Wand gesäumt ist und der kleineren, tiefen Röhre die bis 19 m Tief reicht. Am Boden steht noch eine Ringkonstruktion getragen von Säulen im antiken Stil. Bei aller Begeisterung für die Location, aber mit der Zeit tendiert man dazu im Kreis zu schwimmen. Faszinierend sind allerdings die Apnoe Taucher, die sich auf unterschiedlichen Tiefen tummeln. Insgesamt ist es eine tolle Anlage, die sehr gut auf die Bedürfnisse der Taucher ausgelegt ist. Wir hatten die Möglichkeit, ein Paar Übungen zu machen, wie Regler tauschen, Boje setzen und tarieren. Wir haben alle Flaschen frisch füllen lassen.

Der Ausflug am nächsten Tag ging zum Blaustein See bei Eschweiler. Die geschlossene Tauchbasis liegt in einer gut ausgebauten Freizeitanlage. Der Blausteinsee ist als sogenannter „Villesee“ aus dem Abbau von Braunkohle aus der Tagebau-Grube „Zukunft West“ entstanden. Er umfasst eine Fläche von 94 Hektar und hat eine maximale Tiefe von 43,5 m. Bei dem feinen Sediment war die Sicht leider nur unter der Sprungschicht sehr klar, aber dafür war es hier auch sehr kalt. Man kann entlang einer Leinenführung zu bestimmten künstlich angelegten Tauchattraktionen tauchen, wie das Führerhaus von einem LKW, was einen dann eher an Hemmoor erinnert.  

Ab Dienstagabend war die Planschies-Truppe vollständig mit der Ankunft von Bianca.

Das Monte Mare Indoor Zentrum am nächsten Tag war dagegen wieder ein echtes Kontrastprogramm. Das rechteckige Becken für die Taucher mit einer maximalen Tiefe von knapp 10 Meter in einer großen Spa-Freizeitanlage mit Sauna und Wellenbad eingebettet. Es gibt einige Dekorationselemente im Wasser und man kann durch verschiedene Röhren tauchen. Interessant sind die Fenster mit einem Blick aus dem Pool auf das Gelände draußen, so was sieht man nicht aller Tage. Insgesamt eine tolle Anlage für Anfänger oder wenn man seine Ausrüstung testen will.

Das Highlight der Reise wurde dann der Goldberg See in der Nähe von Dormagen. Der Besitzer der Basis wollte uns extra, außerhalb vom Wochenende, die Flaschen füllen. Leider konnte er nicht selber kommen, aber er schickte seinen Tauchkumpel Hans-Jörg von dem wir super betreut wurden. Er half uns mit Leihflaschen und seine Frau verwöhnte uns mit Kaffee, Kuchen und Kartoffelsalat. Es geht steil über Treppen zum See hinunter, aber dann eröffnet sich bei sehr guter Sicht eine tolle Unterwasserlandschaft. Voll ausgebildete Pflanzendecken in Ufernähe und unzählige kleiner Fische, die in Schwärmen an einem vorbeiziehen. In den steinigen, pflanzenfreien Stellen tummeln sich viele Grundeln. Im Parcours haben wird einen prächtigen Aal gesehen. Der Uferbereich mit den überhängenden Ästen und dem damit verbundenen Lichteinfall ist einfach toll. 

Am nächsten Tag ging es dann zum Fühlinger See bei Köln. Dies ist ein sehr umfassender Freizeitpark mit einer eigenen Regattastrecke. Wir konnten uns bei der Tauchbasis Blue Merlin umziehen und erhielten gute Tipps für den Tauchgang. Der See ist für seinen Fischreichtum bekannt und gleich am Ufer begegnet man kleinen Sonnenbarschen. Unter der ersten Plattform lauert ein kapitaler Hecht. Eine Leine führt parallel zum Ufer entlang der scharfen Linie, welche den Bewuchs mit langen Armleuchtergewächsen von dem kiesigen Untergrund ohne Pflanzen trennt. Hier trifft man auch etliche große Hechte und Schwärme von anderen Fischen. Bianca und Cathie waren begeistert, auf türkische Süßwasserquallen zu stoßen. Insgesamt ein tolles Taucherlebnis.

Final ging es dann auf der Rückreise zum Gasometer in Duisburg. Dieser liegt in einem riesigen Industriekomplex, der heute für jede Menge Freizeitaktivitäten und Kulturevents genutzt wird. Man kann sich im Tauchshop umziehen und geht dann über den Parkplatz zum Gasometer. Die Tauchausrüstung führt man in einer Schubkarre mit und die wird dann mit einem Außenkran hochgezogen, während man selber auf die Plattform in 13 m Höhe hinaufklettern muss. Oben bekommt man dann einen Eindruck von den Dimensionen von dem Teil mit einem Durchmesser von 45 m.  Von daher ist auch klar, dass der Gasometer unbeheizt ist und wir hatten mit August den richtigen Zeitpunkt bei einer Wassertemperatur von 21 Grad gut gewählt. Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass der Gasometer völlig überdacht ist. Unter Wasser sind aber nur sporadisch Lampen angebracht, so dass es im Wasser stockdüster ist und man auf jeden Fall Lampen braucht. Als erste Attraktion liegt ein Schiff auf dem Boden, gefolgt von einem Flugzeug und einem Lieferwagen. Allerdings zeigt sich auch schnell, dass bei diesen Attraktionen schon viel Feinsediment vom Kiesboden aufgewirbelt wurde und die Kameraleuchte nur noch eine Nebelwand ausleuchtet. Taucht man entlang der Stahlwand des Behälters denkt man unweigerlich daran, an einem rostigen Wrack gelandet zu sein. Ein „Highlight“, neben einer Skulptur der Maus zur Erinnerung an eine Folge der Sendung mit der Maus über den Gasometer, ist die Nachbildung der Kulisse aus dem Film „Spiel mir das Lied vom Tod“, mit dem Steinrundbogen und der Glocke in der Mitte. Das Tauchen in dieser Dunkelheit, aber auch mit der Bewegungsfreiheit in dem „Gefäß“ ist schon ein interessantes Erlebnis, dass man sich mal gönnen sollte, aber das wars dann auch.