Bericht vom Tauchturm in Berlin

von Olaf Rieckhoff

Mit einigen Tauchern und Nichttauchern vom ATH und Gästen fuhren wir im April zur Tauchturmanlage in Berlin. Diese Anlage befindet sich im DLRG-Haus direkt an Pichelsee in Berlin-Spandau. Sie wurde 1974 fertiggestellt und 1993 saniert. Genutzt wird sie für das Training und die Ausbildung von Rettungs-, Berufs- und Sporttauchern.

Die Behandlung von Taucherunfällen und Caisson-Arbeitern in der Überdruck-Kammer gehöhrt ebenso zu den dort anfallenden Arbeiten, wie Druckkammertests bei Tauchtauglichkeitsuntersuchungen.

Die Kammer wird aber auch für Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Unterwassermedizin und für die Erprobung technischer Geräte unter Druck eingesetzt.

Die Tauchturmanlage besteht aus einem ca. 12 m hohen Stahlturm, der mit 31 cmb Wasser (entspricht 8 m Wassersäule) gefüllt ist. Angeschlossen ist eine Druckkammer für 6 Personen mit 6 Saueratoffatemstellen sowie der Möglichkeit, mit Mischgas (Helium-Sauerstoff bzw. Trimix) zuarbeiten. Im Tauchturm sowie der Druckkammer können Tauchgänge bis 150 m Wassertiefe simuliert werden. Zunächst checkten wir im Hause ein und belegten zwei der kleinen, engen 6-Bett-Kojen, die unmittelbar an den Waschraum grenzen. Danach stand Freizeit an, und wir fuhren mit dem Bus (einige mit dem Auto) in die Berliner City um dort zu schoppen und Berliner Sehenswürdigkeiten zu erkunden, spazieren zu gehen, oder zu entspannen. Am Abend trafen wir uns zum gemeisamen Essen und klönen wieder in Spandau. Wir alle waren gespannt, wie der nächste Tag ablau- fen würde.

Am Sonntag war es dann soweit - nach einem reichhaltigen Frühstück erhielten wir eine detaillierte Einweisung in die Tauchturmanlage. Wir wurden in zwei Vierergruppen eingeteilt und zogen uns gruppenweise um; Komplette Ausrüstung ohne Flossen und Blei.

Durch die runde Eingangsöffnung gelangten wir in die 2,60 m breite und 2,40 m hohe Tauchkammer. Wir setzten uns auf die Gitterroste und ließen die Beine ins Wasser baumeln. Über Funk und per Video waren wir mit dem außen sitzenden Kammerfahrer (Aufsicht) verbunden. Nun ging es los:

Es wurde schnell und geräuschvoll Druck aufgebaut, der eine Tiefe von 42 m entsprach. Die Finger waren für den Druckausgleich ständig an der Nase. Plötzlich Stille:

Jetzt hatten wir eine "Mickey-Maus-Stimme". Wir tauchten in der 1,90 m breiten Wassertiefe 8 m ab, so dass wir eine Tiefe von 50 m erreichten. Das Wasser hatte Badewannen-Temperatur - und das auf 50 m - wo gibt es das noch?

Nach knapp 10 Minuten hieß es in der Wassersäule wieder aufzutauchen und außerhalb des Wasser, aber in der Tauchkammer die vorgeschriebenen Dekozeiten, die von außen reguliert wurden, einzuhalten. Endlich, nach weiteren knapp 30 Minuten, öffnete sich die Luke und wir konnten wieder aussteigen.

Im Zeitabstand von einer halben Stunde wurden bei uns zweimal motorische Funktionstests durchgeführt und danach sollten wir uns noch sicherhaltshalber 3 weitere Stunden im näheren Umkreis der Tauchturmanlage aufhalten.

Es war sehr interessant zu erleben, wie so etwas funktioniert und wie die Anlage und das DLRG-Haus aufgebaut ist.

Olaf