Tauchen lernen beim ATH

ein Bericht von Thorsten Liefländer und Christina Jankowski

Wie man zum Tauchen kommt...

Es gibt mindestens zwei Typen von Tauchlernwilligen:

die Leichtsinnigen
und die Neugierigen.

Erst einmal zu den Leichtsinnigen, wie Thorsten:

Jedes Jahr, so kurz vor dem ersten Advent ist Treffen bei Uhlmanns. Alte Traditionen sind meist schön, da trifft man Freunde und Bekannte. Und wie man so dasitzt und sich unterhält (übers Tauchen natürlich, wovon erzählt denn Kalle sonst) - kann ich mich nicht zusammenreißen und meine, "Tauchen würde ich auch gern einmal". Das war genau das Richtige für meine Jungs; "Au ja, da mach ich mit", "Ich auch"; und genau das Falsche für meine Frau: "Um Gottes Willen, ich würde nie den Kopf unter Wasser stecken, so was schreckliches wollt ihr tun???".

"Aber es ist ja so teuer, und Zeit habe ich auch nicht, bin ja meistens unterwegs" setze ich schnell nach. Für Renate und Kalle ist das kein Problem, "Familienmitgliedschaft", "Ausrüstung kann man erst mal im Verein ausleihen", "Tauchtauglichkeitsuntersuchung", "Freitags abends, das müsste doch drin sein" - und schon war man dabei zu überlegen, wann denn der nächste mögliche Kurs wäre. "Gut, der aktuelle Kurs läuft gerade, aber beim nächsten Mal könnte es klappen". Ich wollte ja schon immer mal tauchen lernen.

Wieder zu hause bin ich mir gar nicht mehr so sicher. Wie soll ich das zeitlich schaffen, woher kommt das Geld. Und die Jungs auch noch dabei, das wird extrem teuer. Erst einmal abwarten denke ich, vielleicht wird's ja nix. Aber tauchen will ich eigentlich doch schon gerne...

Ein paar Monate später ruft Renate an, "Wenn Ihr wollt, dann könntet ihr im Oktober anfangen". Irgendwie werde ich das schon hinbekommmen, denke ich. "Ich mache mit, bei Familienmitgliedschaft geht das ja" meint Felix und auch noch "Das wird dann nicht so teuer". Und von Jakob kommt wieder dieses "Ich auch!". Der Kerl vergisst bestimmte Sachen gar nicht !!! Doch, tauchen lernen wollte ich schon immer mal...

Gut, also Freitag einmal quer durch die Stadt zum Training mit Felix, und Sonntag einmal quer durch die Stadt zum Training mit Jakob. Das habe ich nun davon. Aber tauchen werden wir jetzt lernen...

Nun die Neugierigen, wie zum Beispiel Christina:

"Stefan, schau mal. Hier kann man tauchen lernen." Nichts böses ahnend kamen mir diese Worte über die Lippen, als ich im Abendblatt den Bericht über den ATH gelesen habe. Mein Sohn hatte schon fast seine Badehose an, bevor ich ihm erklören konnte, dass er noch bis zum September warten musste. (Es war kurz vor den Sommerferien).

Endlich war es dann soweit. Ich mit Kind und Badetasche auf dem Weg nach Winterhude. Der Empfang war wider Erwarten sehr herzlich. Dann stand ich am Beckenrand und habe meine Wasserratte beobachtet. Bei mir dachte ich so, ausprobieren würdest Du das ja auch mal gern. Für Renate natürlich gar kein Problem. "Am 5. Oktober in Billstedt fängt die Ausbildung für die Erwachsenen an. Komm doch einfach mal hin. Kannst Du Dir ja mal überlegen."

Nachdem Christine dann auch noch erzählte, dass man auch mit Kontaktlinsen tauchen kann, wurde ich richtig neugierig.

Zuhause angekommen, musste mein Mann natürlich alles erfahren. Einwände von seiner Seite kamen, wie erwartet, relativ wenig. "Probier es doch einfach mal aus." Bis zum 5. Oktober konnte ich meine Neugierde kaum noch zügeln. Aber auch die Zeit habe ich überstanden. Endlich!!!! Ich ohne Kind aber mit Badetasche auf dem Weg nach Billstedt. Hier wurden mir dann Maske, Schnorchel und Flossen verpasst und rein ins Wasser. Als ich wieder an der Wasseroberfläche ohne Schnorchel zu Luft kam, waren meine ersten Worte: "Ich glaube, das hier habe ich mein Leben lang gesucht !!!!"

Wie man Tauchen lernt...

Zuerst Schnorchel, Brille und Flosssen organisieren. Kostet zwar was, aber das kann man noch verkraften. Und dann rein ins Wasser, erst mal ohne Flasche und so.

Die Wochenenden sind seitdem für Christina, Felix und Thorsten ziemlich verplant:

Freitag:
Eigene Ausbildung in Billstedt
Sonntag:
Kindertraining in Winterhude

Und seitdem das Wetter entsprechend besser wurde, natürlich auch Montags am Oortkarten. Eine traurige Erfahrung ist, nicht jeder kann tauchen lernen. Mona musste wieder aufhören und wollte doch so gerne tauchen lernen...

Tauchlehrer sind wichtig. Lothar erklärt uns erst einmal, dass er Taucher geworden ist, damit er im Wasser nicht nass wird. Natürlich stehen wir dabei mitten im Wasser, patschnass. Maria gibt uns den Feinschliff. Klaus scheucht Odilie und Kinder, damit hat er genug zu tun. Kalle hilft ab und zu mal aus, er als Seehund vorne weg und wir wie die Haubentaucherkinder hinterher.

Nach ein paar Wochen gab's dann endlich die Flasche samt Schnulli. Sozusagen Taucherkleinkinder sind wir jetzt. Ist ja eigentlich alles ganz einfach, wenn man es endlich kann. Einige Schwierigkeiten gab es doch.

Ein Beispiel:

Christina soll mit Felix durch das Becken tauchen. Christina taucht wieder auf.

Maria:
"Wo hast du Felix gelassen?"
Christina:
"Ich weiß nicht."
Maria:
"Wie, du weißt nicht."
Christina:
"Der muss da irgendwo unten sein!"
Maria:
"Wieso kommst du dann allein hoch, du kannst doch deinen Tauchpartner nicht einfach allein lassen?!?!?"
Christina (verzweifelt):
"Was soll ich denn machen, der ist mir einfach abgehauen, warum schimpfst du dann mit mir???"

Wir schauen gemeinsam ins Wasser, da schwimmt ein verspielter Seehund mal auf dem Rücken, mal auf dem Bauch so vor sich hin und sieht wie Felix aus... Arme Christina.

Zwischendurch noch der Hinweis "Anja kann Euch bei der Anschaffung der Ausrüstung unterstützen". Da haben wir dann gelernt, wie teuer Tauchen wirklich ist, vor allem wenn mehrere auszurüsten sind. Günstig war's, aber teuer trotzdem.

Und da war noch dieses herrliche Theorie-Wochenende bei Maria in der Küche: Maria zerrte uns durch den "Stibbbe", mit Gefühl und Verstand. Klaus zauberte mit seinem Druckapparat und Luftpumpe, jeder versteht, wie Druck wirkt. Und Tina zeigt uns, was ein Taucher an Ausrüstung braucht. Insbesondere ein integriertes Jackett (HUB), das ist Klasse. "Braucht man nicht unbedingt. Aber wenn man sich was gönnen will..." Wir haben viel gelacht, aber auch viel gelernt.

Die Theorie-Prüfung, den "krönenden Abschluss", hatten wir uns wohl einfacher vorgestellt. Irgendwie haben wir es dann doch alle geschafft bist zum Grundtauchschein.

Wie man Taucher wird...

Jetzt geht's los, richtiges Wasser, und getauft werden, das muss sein. Blankeck ist eigentlich eine eigene Geschichte wert. Auch da gab es viel zu lernen:

Erste Erkenntnis:
Tauchen ist Sport, bis man im Wasser ist. Im Wasser kein Problem, aber draußen stellt man fest, dass man wohl verrückt sein muss, soviel mit sich rumzuschleppen.
Zweite Erkenntnis:
Tauchen ist eigentlich einfach und macht Spaß. Da spielt aber das Vertrauen zum Tauchlehrer eine große Rolle. Und das hatten wir inzwischen mit gutem Recht.
Dritte Erkenntnis:
Tauchen im Verein zu lernen hat einen großen Vorteil. Man kann alles in Ruhe lernen, steht nicht unter Zeitdruck. Da haben wir wohl doch einiges gelernt in der letzten Zeit.
Vierte Erkenntnis:
Auch Christina kann eine Taufe überleben!!!! Bis dahin müssen die Anderen erst einmal mitleiden.
Fünfte Erkenntnis:
Taucher sind trinkfest, singen laut und falsch, aber alles gemeinsam. Und Spaß ist wichtiger als Tauchen.

Tina, Kalle und Atze waren unsere Guides im Salzwasser. Interessant war die Übung: leere Flasche holen in voller Ausrüstung, fluchend vom Wasser bis zum Kompressor. Aber nicht alles, was man so sieht soll man nachmachen, dachten wir...

Süßwasser stand danach auch dem Plan. Oortkaten ist dafür eine feine Sache. Und hier folgten weitere Erkenntnisse.

Sechste Erkenntnis:
Tauche nie über das Gelege des Zanders. Das ist der Weiße Hai von Oortkaten.
Siebente Erkenntnis:
Es gib auch so was wie Tasttauchen. Das wendet man im trüben Wasser an.
Achte Erkenntnis:
Ohne Tauchlehrer finde ich nie wieder aus dem Wasser.

Wie man Tauchlehrer prüft...

Das muss unbedingt erwähnt werden. Auch wir haben ausgebildet (!!!), so ganz nebenbei. Und weil das so gut klappte und mit Tina tauchen richtig Spaß macht, haben Tina und Thorsten sich für den krönenden Abschluss Hemmoor ausgesucht.

Hier folgt die neunte Erkenntnis:
Taucher bergen ist Mist. Das vermeidet man lieber. Und Tauchlehrer sind unhandlich. (Kann die sich schwer machen!!!!)

Aber auch das war zu schaffen. Der Lohn war eine gegenseitige Gratulationsarie: Ein frisch gebackener Taucher und ein frisch gebackener Tauchlehrer lagen sich in den Armen und freuten sich wie die Schneekönige. Das wurde dann gleich mit einem Fläschchen gefeiert.

Der Lohn der Anstrengungen (und Kosten)...

Ist man erst einmal soweit und fährt dann zu einem "richtigen" Tauchrevier, gibt's wieder neue Erkenntnisse:

Zehnte Erkenntnis:
Ich kann ja tatsächlich tauchen, es geht auch ohne Tauchlehrer!!!
Elfte Erkenntnis:
Es gibt da welche, die haben viel weniger gelernt und "tauchen" schon länger, sind kurz vorm versenken.

Fazit

Uns hat es viel gegeben, mit Euch tauchen zu lernen. Wissen, Können, Freude, Gemeinschaft, Sicherheit. Auch die Selbsteinschätzung scheint richtig zu klappen. Inzwischen ist die Ausrüstung fast vollständig und das nächste Ziel anvisiert: Toll wäre zu wissen, wo man gerade ist und wie man zurück findet ohne Tauchlehrer.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns bei unseren Partnern für ihre Unterstützung einmal ausdrücklich bedanken. Wir hoffen, wir können es ihnen zurückgeben.

Die Neugierde von Christina muss ziemlich ansteckend sein. Am 4. Oktober fängt der nächste Erwachsenen-Lehrgang an. Und was soll man sagen; ihr Mann ist auch dabei.

Der Leichtsinn von Thorsten hat ebenfalls Folgen. Auch seine Frau wird mutig, immerhin hat sie jetzt auch den Kopf ab und zu unter Wasser.

Tauchen macht eben doch süchtig...

Christina und Thorsten